Wer hier zu uns nach Eschershausen fährt, von Hameln kommend oder aus Richtung Kreiensen, wird auf dem Weg von einer Bahnlinie begleitet. Ein Teil der Trasse ist mittlerweile abgerissen und der Rest schläft und verrottet im “Dornröschen Schlaf”.

Eine unbedeutende Nebenbahn. So wird man feststellen.

Doch ein Blick in die Geschichte dieser Bahngesellschaft, der Lenne Vorwohle Eisenbahn, offenbart viel mehr, als das was zum Schluss noch übrig war.

Gebaut bzw. fertig gestellt wurde die Strecke 1872. Sie war eigenständig geführt und verband Lenne / Vorwohle mit Eschershausen, Kirchbraak, Bodenwerder, Helen, Grohnde mit Emmertal.

Karte ca. 1880
Bei genauer Betrachtung der Karte stellt man fest, das die Bahnlinie über Bodenwerder hinaus nach Hameln - Bremen und in der anderen Richtung hinter Lenne weiter nach Einbeck - Northeim - Duderstadt verlängert werden sollte! (Karte von Ca. 1880)

 

Bereits 1898 gab es schon Planungen für eine Erweiterung der Strecke von Bodenwerder über Polle nach Holzminden. Verschiedene Varianten ab Holzminden standen da zu Diskussion. Eine Linie sollte ab Polle über die Weser wechseln und nach Bevern führen, um dann von Norden aus gemeinsam mit der Strecke aus Kreiensen noch Holzminden führen. Die 2. Variante indes wurde ab Polle auf der anderen Weserseite geplant und sollte dann bei Stahle über die Holzmindener Hafenbahn zum Bahnhof geführt werden.

Von Polle aus war dann noch eine Verbindung über Ottenstein nach Bad Pyrmont geplant und von Bodenwerder eine Linie nach Völksen bei Springe.

Doch blieb es nur bei den Wünschen zur Streckenverlängerung, realisiert wurde dann nichts davon.

Karte 1906-03

Diese Karte zeigt die Planungen mit Stand von 1903 bzw. 1906, wie vor beschrieben.

 

An Bedeutung gewann die Bahn dann noch einmal am Ende des 2. Weltkrieges. Was viele nicht wissen, der Ith wurde mit Tunnels durchlöchert, wie ein Schweizer Käse. Industrie wurde hier angesiedelt (im Berg). Das waren unter anderem VW, das heutige Thyssen/Krupp Stahlwerk und einige andere mehr. Die Produktionsstätten waren fast fertig. Die Flugzeugproduktion war schon im vollen gange. Die Fracks stehen heute noch dort (abgesoffen). Gebaut wurde alles von Strafgefangenen, weshalb es in der Nähe auch entsprechende Lager gab. Das “Lenner Lager” wird gerade für den Tourismus wieder frei gelegt und wird in einiger Zeit über die örtliche jüngere Geschichte dokumentieren.

Interessant für uns Eisenbahner ist, dass die Laderampe Lenne mit den Tunnels im Ith mit einer Meterspur Bahn verbunden war. Bei genauerer Spurensuche findet man zum Teil noch die alte Trasse im Wald!

Warum hier und was hatte das mit der Bahn zu tun? Betrachtet man nun die Lage Eschershausen mit der Karte kurz vor Ende des 2. Weltkriegs, so stellt man fest, das der Ort von allen Richtungen her ziemlich genau in der Mitte liegt und so am längsten verteidigt werden kann. Die Bahn hatte hier wieder alle Transportaufgaben zu erfüllen. Ein Flugplatz in der Nähe (heute Seegelflugplatz) mit Flugschule waren bereits vorhanden.

Durch den fehlenden Ausbau der Bahnstrecke der Lenne Vorwohler Bahn, konnte Sie sich gegen den stetig zunehmenden Konkurenz der Strasse nicht mehr behaupten. So kam, was kommen musste, die Strecke wurde im Jahre 2004 endgültig stillgelegt. Bedenkt man ihre inzwischen unbedeutende Strecke, so wundert es schon, dass sich diese kleine Bahn so lange noch halten konnte.

LGB Freunde Ith

In dieser Rubrik:

 

© IG LGB Freunde Ith 2017